Es gibt keine einfachen Gegner

SG FES – HF BW Spandau 28:25 (17:14)

Diese abgedrochende Trainer-Floskel traf auch heute zu. Rein tabellarisch gesehen ging die SG FES als klarer Favorit in die Begegnung mit den im Abstiegskampf befindlichen Spandauern. Allerdings zeigte man sich schon vor Beginn gastfreundlich: Statt den Gegner ans östliche Ende der Stadt zu bitten, kam man ihm bis Französisch-Buchholz entgegen. Diese Reise wurde allerdings von „der Hälfte der Mannschaft“ (FES) und dem Trainer aus unterschiedlichsten Gründen nicht angetreten, so dass Sportfreund (ü35) Bartels kurzerhand als Spielertrainer einsprang und wenigstens 12 Akteure den Weg auf das Protokoll fanden.

In der Anfangsphase entsponn sich eine temporeiche Begegnung, in der beiderseits auf gute Ballstaffetten und hohes Tempo gesetzt wurde. Der Gast zeigte hier, dass er keineswegs nur zum Punkte-Abliefern gekommen war, setzte den linken Rückraumspieler zunächst gut in Szene und übernahm kurz die Führung (1:2), bis die heimische Deckung etwas FESter wurde und vorn besonders RR Haeske nach Belieben einnetzen konnte. Langsam schien der Favorit die Partie in den Griff zu bekommen (7:4, 10:6), bevor die Gatower den Keeper wechselten. Dieser stellte sich besser auf die Rückraumaktionen ein und verhalf seinem Team zu einem 4:0-Lauf (10:10). Sportfreund Bartels sah Handlungsbedarf. Grundlegendes der Trainerlehre wurde nun beherzigt: Zunächst erklärt man seinen Schützlingen, wie in der Abwehr zu agieren ist. Wenn das nicht funktioniert, muss man es vormachen. Und so zeigte sich die Defensive hernach stabiler, während im Angriff nun erfolgreich die Option über den Kreis gezogen wurde. Bis auf 17:12 wurde der Vorsprung wieder ausgebaut, jedoch von nicht nachlassenden Handballfreunden bis zur Pause wieder auf 17:14 eingedampft.

Schneider äußerte während der Unterbrechung seinen Respekt gegenüber dem Gegner, der über erheblich jüngeres Personal verfügte, und zugleich die Befürchtung, dass gerade diese Frische vielleicht noch zum Stolperstein für die dezimierten FESler werden könnte.
Allerdings wurde sofort wieder vorgelegt und fortan auch nie ein geringerer Vorsprung als drei Treffer zugelassen, ohne jedoch eine frühe Vorentscheidung zu erzwingen (20:17/ 40. Minute). Beide Offensiven hatten in der zweiten Periode an Durchschlagskraft eingebüßt, so dass hart für jeden Torerfolg gearbeitet werden musste. Die erste Zeitstrafe im Spiel (44. Minute) wegen Beinstellens wurde dann zu einer deutlicheren Führung genutzt (24:19) und bis 10 Minuten vor Ende noch leicht ausgebaut (26:20). Die endgültige Entscheidung gelang jedoch in Unterzahl (53. Minute). Die Gatower Deckung wurde mit einem Pass von Links- auf Rechtsaußen ausgehebelt und somit das 27:21 markiert. In den letzten Minuten ließ dann die Konzentration aller Beteiligten (inkl. Schiedsrichter) merklich nach, bevor der gegnerische Trainer seinem Team bei einem Time-Out in der 60. Minute ein Kompliment für den couragierten Auftritt aussprach und diese mit dem Schlusspfiff auf 28:25 stellen konnte.

Fazit: Dem Lob des gegnerischen Trainers kann man sich anschließen. Diese Truppe spielt besser, als es der Tabellenplatz aussagt und gehört definitiv in diese Liga. Viel Erfolg! Für FES gilt: Wichtig sind die Punkte – egal wie. Eine üppiger besetzte Bank muss in den kommenden Spielen aber dringend her, damit der Kampf um den Aufstieg nicht daran scheitert. Empfohlen hat sich heute Routinier Bartels, der die Deckung gut koordinierte.